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Montag, 10. Juni 2013

Nach der Flut ist vor der Flut - Hochwasser im Juni 2013 in Laubegast



Die ersten Vorboten der neuen Flutkatastrophe in Sachsens Landeshauptstadt kündigten sich durch schwere und lang anhaltende Regenfälle Ende Mai 2013 an. Die Medien warnten dieses Mal recht früh, sodass die Menschen in Dresden - und vor allem jene Personen, die in der Nähe der Elbe wohnten, als auch in den Hochwasserregionen - noch die notwendigsten Vorbereitungen treffen konnten.

 
Dresden Pegelstand
Die Elbe steigt - Hochwasser droht

Am Montag, dem 03.06.2013, trafen die ersten Fluthelfer (unter ihnen viele Freiwillige) in Laubegast ein. Am vorangegangenen Sonntag zeigte der Elbepegel in Dresden 5,23 Meter an, einige Flächen am Laubegaster Ufer standen bereits unter Wasser. Laut Medien sollte der Pegel weiter steigen. Höher als 2002 wurde prognostiziert. Doch die Dresdner, die bereits mehr als eine Flut im Osten von Dresden miterlebt hatten, ließen sich von den Medienberichten nicht beirren. Sie behielten die ansteigende Elbe im Auge. 
Besonnen taten die Einheimischen, was zu tun war. Zuerst räumten die Bewohner am Laubegaster Ufer ihre Wohnungen aus, brachten ihre Wertsachen in Sicherheit und ließen nur zurück, was nicht auf die Schnelle abmontiert oder transportiert werden konnte. Jene Insulaner, die weiter oben wohnten, waren damit beschäftigt, ihre Kellerräume oder Garagen auszuräumen. Pkws wurden in Sicherheit gebracht. Im Geschäftsviertel auf der Österreicher Straße herrschte ebenfalls reges Treiben. Voller Tatendrang machten sich die Geschäftsinhaber ans Ausräumen ihrer Gewerberäume. Von Panik keine Spur. Im Gegenteil. Fast hatte es den Anschein, als würden die Laubegaster das „Inselfest“ vorbereiten. 

Hochwasser Juni 2013
Die Fluthelfer rücken an
 
Besonders stimmungsvoll ging es an der Kreuzung Österreicher Straße / Leubener Straße zu. Auf der einen Straßenseite, die zur Elbe führte, stapelten fleißige Bundeswehrsoldaten und freiwillige Helfer Sandsäcke. Auf der Kreuzung regelte ein THW Mitarbeiter den Verkehr. Ziemlich resolut, was teilweise zur Erheiterung beitrug, da er "hart" durchgriff. Sonst hätte es wohl ein regelrechtes Verkehrschaos gegeben.     



Einzig und alleine das nicht endend wollende Sirenengeheul der Polizeifahrzeuge, die mit zuckendem Blaulicht durch Laubegast fuhren, deutete darauf hin, das Katastrophenalarm herrschte. Unten stieg das Wasser, oben kreisten Hubschrauber. Statt gehaltvolle Informationen herauszubringen, übertrieben es die Radio- und Fernsehsender maßlos. Sie sorgten mit Schreckensmeldungen für Verunsicherung, schürten Panik anstatt diese zu verhindern. Für diese zum Teil übertriebene und unkorrekte Berichterstattung müssen wir auch noch Rundfunk- und Fernsehgebühren zahlen. Doch zurück zur Hochwasserkatastrophe 2013. 

 
Hochwasseralarm in Laubegast - ran an die Sandsäcke


Alarmstufe 4 in Dresden - Laubegast wird evakuiert berichten die Medien 


Am Dienstag, dem 04.06.2013, zeigte der Pegel Dresden bereits satte 7,30 m. Der Regen hatte nachgelassen. Die Uferstraße in Laubegast stand nun gänzlich unter Wasser, ebenso wie Straßen und Häuser in unmittelbarer Ufernähe. Es galt Hochwasseralarmstufe 4 für Dresden! Sandsäcke füllen stand auf der Tagesordnung, um Fenster und Türen abzudichten, Barrikaden zu errichten. 







Weitere Bewohner des Laubegaster Ufers flohen vor den Wassermassen. Andere wiederum mussten erst „genötigt“ werden, denn sie wollten bleiben. Manchen wurde es doch zu heiß bzw. zu nass. So schnappten sie ihr Handgepäck und kletterten auf die Transportfahrzeuge der Bundeswehr. Es gab nur einen einzigen Weg, der noch von Dresdens schönster Insel ans rettende Festland führte. Über die Leubener Straße, in Richtung Leuben. Ein paar Mutige trampten sogar durch das knietiefe Wasser, um entweder zur Arbeit zu gelangen oder am Nachmittag zurück nach Hause, ins Hochwassergebiet. 

Laubegast 2013
Auch in schwierigen Zeiten geht es nicht ohne Humor



Der Mittwoch - 05.06.2013 - brachte erstmals etwas Sonne mit sich, die sogleich für bessere Stimmung sorgte. Der Pegelstand lag nunmehr schon bei 8,47 m. Im Dresdner Osten nichts Neues. Das Wasser stagnierte zwischenzeitlich sogar. Die Medienberichte sorgten trotzdem für Unsicherheit, ganz besonders bei den Zugezogenen, die noch nie ein Hochwasser miterlebt hatten. 

Fotografie Kerstin Schuster
Laubegast Juni 2013 - Kirchplatz ...
Fotografie Kerstin Schuster
... Wasserlandschaft im Grünen

Mit Fahrrädern oder zu Fuß machten sich die „Eingeschlossenen“ auf, um die Teile Laubegasts zu erkunden, die noch vom Elbehochwasser verschont geblieben waren. Nicht immer ging es trockenen Fußes vorwärts. Schlauchboote, Ruderboote und Kajaks waren in den überfluteten Straßen unterwegs. Während an den ersten Tagen noch zahlreiche Gaffer nach Laubegast kamen, ihre Kameras zückten, um zu knipsen und dabei die Fluthelfer bei ihrer Arbeit behinderten, waren es am 3. Tag tatsächlich nur die Inselbewohner, die „Hochwasser gucken“ wollten.  

 
Fotografie Kerstin Schuster
Flucht von der Insel - nur mit dem Boot möglich


Fotografie Kerstin Schuster
Kein idyllischer Badesee in Dresden - überflutete Wiesen zwichen Laubegast und Tolkewitz

 

Pegelhöchststand erreicht - auf Dresdens schönster Insel brennt noch Licht


Am Donnerstag, dem 07.06.2013, war der Pegelhöchststand erreicht. 8,76 m hoch stand das Wasser. Trotz alledem gab es in der Mitte der Insel Laubegast noch Strom. Die Bewohner helfen sich gegenseitig aus, laden Handys auf, kochen Tee oder Kaffee und Süppchen. Dort, wo es weder Strom noch Wasser gibt, wird vor der Haustür gegrillt, was die Tiefkühltruhen und Kühlschränke hergeben. Verdursten und verhungern muss auf Dresdens schönster Insel niemand. Denn es haben tatsächlich „Geschäfte“ offen, in denen es Proviant, Getränke und Dinge des täglichen Bedarfs gab. 

Trotz Hochwasser geöffnet - Versorgungsnotstand gab es nicht 


Die Laubegaster bedanken sich dafür, dass es während der Hochwasserzeit keinen Versorgungsnotstand gab. Auf der Österreicher Straße - Richtung Kleinzschachwitz - blieb es weitestgehend trocken. Die Aral Tankstelle hatte geöffnet. Die Mitarbeiter bedienten freundlich und gelassen ihre Kunden, hatten stets aufmunternde Worte parat. Auch das NORMA auf der Leubener Straße trotzte dem Hochwasser. Drinnen blieb es trocken, weshalb der Verkauf weiterging. Die Verkäuferinnen hatten stets ein Lächeln auf den Lippen. 

Marco Rautenberg - Biligro Getränkemarkt Laubegast

Nebenan, im Bilgro Getränkemarkt, konnte ebenfalls eingekauft werden. Dabei hätte Markleiter Marco Rautenberg den Laden schließen und aus dem Hochwassergebiet verschwinden können.  
Doch er blieb, campierte die erste Nacht im Markt, um am anderen Morgen seine Kunden zu bedienen. Diese wiederum waren froh, dass es im Getränkemarkt Bilgro „alles trinklusive“ gab. 
Marco Rautenberg bedankt sich herzlichst bei seinen treuen Stammkunden als auch bei jenen Menschen, die ihn selbstlos mit Kaffee, warmen Essen versorgt haben und ihm ein Nachtquartier anboten.    



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