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Montag, 10. Juni 2013

Laubegast - wie aus einem Fischerdorf Dresdens schönste Insel wurde



Laubegaster Ufer Dresden
Dresden Laubegast - Kanuverein am Elbufer

Am Ufer der Elbe, im Osten von Dresden, liegt der Stadtteil Laubegast. Das kleine Fischerdorf, was erstmals anno 1408 als „Lubegast“ urkundlich Erwähnung fand, zählt zur Kulturlandschaft Dresdner Elbtal. Seit der Jahrhundertflut im Jahr 2002 trägt Laubegast den Beinamen „Dresdens schönste Insel“. 




Grüne Oase in Dresden Laubegast

Nach der „Wende“ hat sich im Dresdner Stadtteil, der zum Ortsamtsbereich Leuben gehört, sehr viel getan. Das einst so idyllische Laubegast, was zu DDR-Zeiten noch dörflichen Charakter hatte, zahlreiche blühende und grünende Flächen besaß, verlor mehr und mehr seinen ureigenen Charme. Die grünen Oasen verschwanden nach und nach, selbst die Gärtnereien. Stattdessen wurden Wohnhäuser errichtet, die so gar nicht ins beschauliche Bild passten. Nicht einmal „Altlaubegast“ blieb verschont vom Um- und Ausbau. Rings um das „Dorf“ - wie die Laubegaster früher die Österreicher Straße nannten - wandelte sich alles. 


Nur eines blieb unverändert - die Elbe am Laubegaster Ufer. Allerdings wurde ihr etwas genommen, was zugleich ebenso den Anwohnern lieb und wert war. Die Schiffsanlegestelle als auch die Fähre. Letztere fehlt mir persönlich (und sicherlich noch anderen Laubegastern) mehr als die Anlegestelle der Schiffe. Der „Fehre“ - eine alte Bezeichnung für den Fährmann - wurde erstmals 1501 erwähnt, obwohl er sicherlich schon wesentlich früher „über holte“. Bis 1856 war es eine Kahnfähre, die von einer Elbseite zur anderen schiffte. Jene wurde dann durch eine Gierseilfähre ersetzt. Nach 1969 - jenem Jahr, in dem die „kreative Schreibfee“ das Licht erblickte - schipperte die Motorfähre „Laubegast“ hin und her. 


Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei - mit dem Fährbetrieb in Laubegast war es kurz nach der Wende (genau genommen 1992) plötzlich vorbei. Die Proteste der Einwohner fanden kein Gehör. Der Fluss im schönen Elbtal begehrte auf. Wild schäumend vor Wut wehrte sich die Elbe. Aufgebracht stieg sie aus ihrem Bett und markierte ihr Revier. Das Dresdener Gewässer rebellierte und ließ seine Wut an den Laubegastern aus. Diese waren es zwar gewöhnt, dass die Elbe hin und wieder einmal ihr Flussbett verließ, doch mit einer so gewaltigen Flut wie im Jahr 2002 hatten sie nicht gerechnet. 

Wiesenweg damals
Wiesenweg nach Leuben - 1973
Die Wiesen gab es eines Tages nicht mehr, die einst den „Leubener Wiesenweg“ links und rechts umsäumten. Stattdessen entstand ein Kleingartenparadies. Dies, obwohl bekannt war, dass mit Überschwemmungen zu rechnen war. Schließlich lag die Gartenkolonie am alten Elbearm. 

Wer nicht hören will, muss fühlen. So geschah es, dass den „neuen“ Kleingärtnern irgendwann das Wasser bis zum Hals stand, im wahrsten Sinne des Wortes.

Da sich der randvolle Lockwitzbach nicht ausbreiten konnte, wie früher einmal, und das Grundwasser sich zudem seinen Weg nach oben bahnte, musste kommen, was unabänderlich war. Das Wasser stieg und stieg, verwandelte die Gartenkolonie - zwischen Laubegast und Leuben - in ein gigantisches Wassergrundstück.     
 
sanftes Bächlein im Winter
Winter 2013 - Lockwitzbach

Die Jahrhundertflut im August 2002 sorgte dafür, dass aus dem beschaulichen Fischerdorf von einst, Dresden schönste Insel wurde. Von „schön“ konnte in jenem Sommermonat jedoch nicht die Rede sein. Die Flut kam unerwartet. Kaum ein Anwohner konnte so schnell reagieren, um zu retten, was zu retten war. Nur das nackte Leben. Die Bewohner vom Laubegaster Ufer mussten evakuiert werden. Viele von ihnen retteten sich ins „Hinterland“, was allerdings nicht - wie sonst - trocken blieb. Das Wasser kam von allen Seiten, riegelte Laubegast vollständig ab. Es gab kein Entrinnen mehr. Die unfreiwilligen Inselbewohner konnten nur noch per Boot gerettet werden oder aus der Luft. Selbst Schwimmpanzer kamen in jener denkwürdigen Augustwoche 2002 zum Einsatz.  


Villa Hartmann versinkt im Hochwasser
Die Villa Hartmann am Laubegaster Ufer beherbergte zu DDR Zeiten den Kinderhort.Sobald die Elbe stieg, standen Speißesaal und Kellerräume unter Wasser. Die Schüler mussten dann in der 64. POS auf der Linzerstraße in Laubegast untergebracht werden. Heute ist die Hartmannsche Villa scheinbar wieder in Privatbesitz.  

Als sich die tobende Elbe wenige Tage später wieder zurückzog, kam erst das ganze Ausmaß der Flutkatastrophe zum Vorschein. Zahlreiche Anwohner hatten alles verloren, selbst die persönlichsten Dinge, Relikte aus der Vergangenheit. Häuser und Wohnungen waren nass und gezeichnet vom schmutzigen Elbwasser. Unmengen Müllberge mussten entsorgt werden. Es hat Monate gedauert, die Flutschäden zu beseitigen, Häuser zu sanieren, Wohnungen zu renovieren. Das Jahrhunderthochwasser 2002 war selbst für die, die seit Jahren an der Elbe in Dresden lebten, eine böse Überraschung. Und bei dieser einen sollte es nicht bleiben. 

 
Sandsackberge in Laubegast
Sandsäcke - kein seltener Anblick mehr im schönen Elbflorenz

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