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Samstag, 1. September 2012

Yenidze Dresden - unter der Kuppel werden Märchen wahr



Yenidze
Yenidze Dresden

Es war einmal ein Dresdner Unternehmer mit dem Namen Hugo Zietz, der seinen Tabak aus Nordgriechenland importierte. Genauer gesagt aus Yenidze, was zu jener Zeit der osmanisch-türkischen Verwaltung angehörte und heute den Namen Genisea trägt. Der Fabrikant hatte eines Nachts einen märchenhaften Traum. Er träumte, so jedenfalls heißt es, von einer traumhaften Moschee, die ihm so sehr gefiel, dass er sie in Dresden errichten lassen wollte.

In Dresden war es anfangs des 20. Jahrhunderts ein absolutes Tabu, im Zentrum der Stadt Fabrikgebäude zu errichten, die eindeutig als solche zu erkennen waren. Hugo Zietz dachte an seinen Traum und hatte eine prägnante Idee. Wenn es schon kein typisches Fabrikgebäude im Weichbild der Stadt Dresden sein durfte, dann aber wenigstens ein orientalisierendes Bauwerk in unmittelbarer Nähe der Dresdner City. Der Industrielle hatte genaue Vorstellungen von seiner „Yenidze“, wie er die orientalische Tabak- und Zigarettenfabrik in Dresden später nannte. 

Mit dem Architekten Martin Heinrich Hammitzsch - der 1936 Angela Hitler, Adolf Hitlers Halbschwester ehelichte - besprach er seine Pläne. Hammitzsch war es, der eines der eindrucksvollsten architektonischen Bauwerke Dresdens erschuf, die Yenidze an der Weißeritzstraße, welches heute mehr als eine Sehenswürdigkeit in Dresden ist.  Die „Tabakmoschee“ - östlich vom Dresdner Stadtbezirk Friedrichstadt gelegen - entstand in den Jahren 1908 bis 1909. Für Hugo Zietz wurde ein Märchen wahr. Sein Traum von der Moschee in Dresden erfüllte sich.

Hugo Zietz Tabakfabrik
Dresdner Tabakmoschee

Zu damaliger Zeit sorgte die Architektur der Zigarettenfabrik für Empörung. Der fremdartige Baustil passte so gar nicht ins Dresdner Stadtbild und harmonierte weder mit den historischen und gleich gar nicht mit den barocken Gebäuden in Dresden. Die Dresdner Tabak- und Zigarettenfabrik Yenidze sah tatsächlich nicht wie ein typisches Fabrikgebäude aus. Sie mutete sehr orientalisch an, mit der farbig verglasten Kuppel und dem Schornstein, der als Minarett „getarnt“ war. Die Yenidze glich verblüffend einer Moschee. Hugo Zietz als auch der spätere Schwager Hitlers ließen sich von allen Anfeindungen nicht beirren. Die als Moschee getarnte Tabakfabrik erfüllte schließlich trotz alledem ihren Werbezweck, was Hugo Zietz, dem die Yenidze bis 1924 gehörte, sehr erfreute.  

Brücke Dresden
Blick über die Elbe auf die Yenidze im Hintergrund
 

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Das orientalisierende Gebäude in der sächsischen Landhauptstadt - die ehemalige Tabakfabrik von Hugo Zietz - wurde während des Zweiten Weltkriegs, als Dresden zerbombt wurde, sehr stark beschädigt. In dem DEFA-Fernsehfilm „Karbid und Sauerampfer“ aus dem Jahre 1963, wird der Wiederaufbau der Yenidze in Dresden dokumentiert. Der Film ist an wahre Begebenheiten angelehnt. In der Hauptolle ist Erwin Geschonneck als Karbid-Kalle zu sehen. Der „echte“ Kalle hieß im wahren Leben Richard Hartmann. Er hatte vor der Bombardierung Dresdens in der Zigarettenfabrik gearbeitet, weshalb ihm persönlich sehr daran gelegen war, die Yenidze wiederaufzubauen. 

 


Die Märchenkuppel der Yenidze


Märchen unter der Kuppel
Ehemalige Tabakfabrik Dresden

Heute ist die Yenidze ein beliebtes Dresdner Ausflugsziel. Unter der farbigen Kuppel der einstmaligen Zigarettenmoschee werden 1001 Märchen wahr. Sobald es kühler wird, vor allem aber in der Adventszeit, wird die Märchenkuppel besonders gerne aufgesucht. In den warmen Monaten des Jahres lädt die Yenidze zu Musik und Tanz ein. Geschmaust werden kann im Kuppelrestaurant. Vom höchsten Biergarten der Stadt Dresden - auf dem Dachgarten der ehemaligen Zigarettenfabrik von Hugo Zietz - bietet sich den Gästen eine herrliche Aussicht auf die eindrucksvolle Dresdner Altstadt. 


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